Wortmarke Der Vorleser - Roman von Bernhard Schlink

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Zusammenfassung
Aufbau
Kapitel-Inhalt
Chronologie
Hannas Charakter
Einführung
Äußere Erscheinung
Plötzliche Brutalität
Hannas Vergangenheit
Analphabetismus
Dominanz gegen M.
Konzentrationslager
Michas Charakter
Verfilmung
Stil und Sprache
Holocaust
KZ-Ausschwitz
Offene Fragen
Impressum




Analphabetismus

Hanna ist Analphabetin. Das heißt, das sie gar nicht oder nur sehr schlecht lesen und schreiben kann. Dies bemerkt Michael erst in der Gerichtsverhandlungsphase, „Hanna konnte nicht lesen und schreiben.“ (S.126, Z.29). Dafür gibt es zahlreich Hinweise, die ihm aber erst in diesem Moment klar werden. Der erste Hinweis ist auf Seite 43, Zeile 7-10 „Lies es mir vor!“ „Lies selbst, ich bring’s dir mit.“ „Du hast so eine schöne Stimme, Jungchen, ich mag dir lieber zuhören als selbst lesen.“ Hanna verrät Michael nicht, warum er ihr vorlesen soll. Dieses Verhalten, den Analphabetismus bestmöglich zu verleugnen und zu verstecken, ist für Analphabeten typisch. Michael kann aus dieser Situation heraus natürlich noch nicht auf Hannas Analphabetismus schließen. In den Frühlingsferien Unternehmen Michael und Hanna eine Fahrradtour. Hanna überlässt die Planung Michael „Ich bin jetzt zu aufgeregt. Du machst das schon, Jungchen“ (S.52, Z.25-26), um nicht Gefahr zu laufen, irgendetwas schreiben zu müssen. Auf dieser Fahrt kommt es zwischen den beiden zu einem Streit, der aus Michaels Sicht völlig absurd sein muss. Er steht früh auf, und schreibt Hanna einen Zettel, dass er Frühstück holen geht. Als er wiederkommt, ist Hanna stocksauer und schlägt ihn. „Ich sehe keinen Zettel. (…) Ich will dir gerne glauben, aber ich sehe keinen Zettel.“ (S.56, Z. 1-3). Wenn man Hannas Problem kennt, dann versteht man sie in dieser Situation besser. Auf dem Zettel hätte auch stehen können, dass Michael sie verlässt. Klar wird Michael der Analphabetismus in Hannas Prozess, als sie zugibt den Bericht geschrieben zu haben, es aber gar nicht getan hat. Erst bestreitet sie es, aber als sie um eine Schriftprobe gebeten wird, sagt sie die Unwahrheit, damit niemand bemerkt, dass sie weder lesen noch schreiben kann. (vgl.  S.123-124). Auf einen Schlag wird Michael einiges klarer, zum Beispiel der Streit auf der Fahrradtour, oder warum sie bei Siemens und in der Straßenbahn nicht befördert werden wollte, oder warum sie sich von den KZ-Häftlingen hat vorlesen lassen. Aber es kommen neue, große Fragen auf. „Wenn Hannas Motiv die Angst vor Bloßstellung war – wieso dann statt der Harmlosen Bloßstellung als Analphabetin die furchtbare als Verbrecherin?“ (S. 128, Z. 2-4). Hier zeigt sich wieder, dass Hanna alles auf sich nimmt, damit niemand von ihrem Geheimnis erfährt. Erst in der Haft lernt Hanna mithilfe von Michaels Kassetten und den dazugehörigen Büchern lesen und schreiben. Dass ihr dies nicht leicht fällt sieht man, als sie Michael einen Zettel schreibt, aufdem sie sich für eine Geschichte bedankt. „Auf den ersten Blick hätte man meinen können, es sei eine Kinderschrift. (…) Man sah den Widerstand, den Hanna überwinden musste, um die Linien zu Buchstaben und die Buchstaben zu Wörtern zu fügen. (…) Hannas Hand wollte nirgendwo hin und musste vorangezwungen werden.“(S.177, Z. 12-20).

(Katrin)

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